SNCF und NS, eine Zweckgemeinschaft

Große Ingenieursleistungen und Neuerungen in der Bahntechnik sind der Stolz vieler Nationen. Aber es gibt auch eine Nation, die schlicht von den Innovationen anderer Länder profitierte: die Niederlande. Sie kauften schlicht das was sie benötigten in anderen Ländern ein. Vor allem Frankreich spielte hier eine herausragende Rolle.

 

Bekannte Gesichter

Schaut man auf die älteren Lokomotiven in den Niederlanden, findet man eine ganze Anzahl bekannter Gesichter. Oft sind es französische Gesichter, die einen aus großen Scheinwerfern ansehen.

Schon in den frühen fünfziger Jahren, also zu Beginn der elektrifizierung in den Niederlanden, war die NS (Nederlandse Spoorwegen) so klug, nicht große Gelder in die Entwicklung von Lokomotiven zu investieren, sondern stattdessen auf bewährtes Material aus anderen Ländern zurückzugreifen. Eine der ersten Kooperationen waren z. B. die Beschaffung der Rangierlokomotiven der Klassen NS 500 und 600 in Großbritannien (Class 08). Die kräftigen, Stangengekuppelten Diesellokomotiven bewährten sich für die Verschub- und Übergabedienste in den Niederlanden über viele Jahrzehnte.

Auch bei den Elektrischen Lokomotiven wurden bereits zu beginn der 1950er Jahre die Loks der SNCF Reihe BB 8100 beschafft, welche in angepasster Form als NS 1100 eingereiht wurden. Die kompakten universalmaschinen, in der mechanischen Bauart der deutschen E44 sehr ähnlich, wurden in den Niederlanden in allen Diensten eingesetzt. Dafür wurde ihre Höchstgeschwindigkeit um 25 Km/h auf 130 Km/h angehoben. So konnte man sie bis in die achtziger Jahre, jetzt allerdings mit sicherheitshalber angebrachten Vorbauten im "nez Cassés" (gebrochene Nase) Design der französischen BB15000, auch in Emmerich am Rhein sehen. Dort übernahm sie bis zuletzt den TEE "Rheingold", teils von der deutschen Baureihe 103! Auch vor Güterzügen waren diese Lokomotiven dank Mehrfachtraktion oft zu sehen.

Verstärkung bekamen sie zunächst durch die Baldwin (USA) Lizenzbauten der Reihe 1200, dann wieder von "Geschwistern" aus Frankreich. Die NS beschafften eine Version der SNCF CC7100, nachdem sei von Alstom eine Probelokomotive in den Niederlanden testen konnten. Ab 1952 waren die Loks in Frankreich und den Niederlanden unterwegs. Auch hier wurde bei den NS eine Geschwindigkeit von 130 Km/h festgelegt. Somit waren auch diese Loks universell einsetzbar.

Keineswegs endet damit jedoch die Gemeinsamkeit. Auch die Reihen 1600 bis 1800 der NS sind ursprünglich Franzosen, genau so wie einige Diesellok.

Auch in Großbritannien wurden noch Lokomotiven beschafft, so z. B. die NS 1500, die der britischen Class EM2 entspricht. 

Diese Reihe von Geschichte(n) wird fortgesetzt.