Vom Beginn einer neuen Zeit

Mit dem Beginn des Industriezeitalters entstehen zunächst in Großbritannien, später auch auf der ganzen Welt nicht nur Eisenbahnen, sondern eine neue Gesellschaftsform. Großstädte, Arbeiterstand und Gewerkschaften gehören jetzt zum Leben der Menschen dazu. Entfernungen haben durch den Einsatz der Dampfmaschine immer weniger Bedeutung, denn Dampfschiffe und die Eisenbahn transportieren Menschen und Material immer schneller über immer größere Strecken. Hier versuche ich einen kleinen Einblick in die Geschichte der Insustrialisierung und der Bedeutung der Eisenbahn dabei.

 

Industrie entsteht

Großbritannien, zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Es herrscht Aufbruchsstimmung im vereinigten Königreich. Neue Erfindungen wie der automatische Webstuhl führen zur Gründung der ersten Fabriken. Jetzt kann das, was früher in Heimarbeit angefertigt wurde, in den neuen Manufakturen in großem Stil hergestellt werden. Auch in anderen Bereichen werden die Fabrikationsstätten größer.

Besonders die Eisenproduktion wird immer umfangreicher. Das Material gewinnt stetig an Bedeutung. Mit dem Aufschwung der Eisenindustrie wächst natürlich auch der Bedarf an den Rochstoffen, vor allem Erz und: Kohle!

Doch gerade die Kohlengruben haben in Großbritannien ein Problem. Es dringt Wasser in die Schächte, das zunächst mühsam von Hand ausgeschöpft, dann mittels großen Wasserrädern und Hebelwerken aus den Schächten gepumpt wird. Diese Methoden sind jedoch ineffizient, und führen nicht zum gewünschten Erfolg. Die Schächte können nicht tief herabfühen, und häufig geschehen schwere Unglücke durch Wassereinbruch. Erst die Dampfmaschine bringt genügend Leistung auch für größere Zechenanlagen. Doch mit den ersten, recht simpel gebauten Maschinen ist auch ein Manko verbunden: Sie benötigen einen Großteil der Kohle für sich selbst.

Ich möchte hier nicht ins Detail gehen, aber nach längeren Patentstreitigkeiten und Versuchen im heimlichen und am Rande der Legalität gelang James Watt der Durchbruch, er verkleinerte die Dampfmaschine, und machte sie effizienter. Die neuen "Hochdruck-Dampfmaschinen" Wogen nur noch einen Bruchteil des Gewichtes der alten Maschinen. So kam die Insustrie in Großbritannien in Schwung.

Die Eisenbahn, eine Erfindung der Römer?

Viele Mythen ranken sich um diese Behauptung. Fakt ist, dass die Römer tatsächlich die Spurweite ihrer Wagen "genormt" hatten, was daher rührt, dass in den Städten eine Art von "Fussgänger-Überwegen" eingeführt wurden, auf denen man trockenen Fußes von einer Seite der Straße auf die andere wechseln konnte. Diese Steine wurden so angeordnet, dass zwischen ihenn rechts und links ein schmaler Spalt stehen blieb, durch den die Räder der Fuhrwerke passten. Durch diese "Normung" kam es dann dazu, dass die Steine, mit welchen die Straßen gepflastert waren, im Lauf der Zeit eben in zwei "Spurrinnen" abgenutzt wurden, was wie eine Rillenschiene aussah, und auch wirkte.

Auch die Behauptung, George Stephenson habe diese "Spurweite" schlicht übernommen, ist eine Legende. Woher das Mass genau stammt, ist heute umstritten, doch die verbreitete Meinung ist, dass sie sich schlicht aus den ersten gebauten Fahrzeugen "zufällig" durch die Bauweise ergab.

George Stephenson, "Erfinder" der Eisenbahn?

Schlichte Antwort: Nein! Er hat die Eisenbahn zwar zum Erfolg geführt, und den Personenverkehr in Schwung gebracht, aber er ist weder der Erfinder der Dampflok noch des Personenverkehrs. Wieder zu den Fakten. Eisenbahnen im weitesten Sinne gab es lange vorher schon. Bereits im Mittelalter wurden Loren auf Holzgleisen benutzt, teilweise bereits mit Spurkranzrädern, also eine "Holzbahn". Diese wurden zunächst nur von Männern geschoben, später auch von Ponys oder Pferden gezogen. Auch wurde nach und nach das Holz durch Eisen ersetzt, zunächst bei den Schienen und Rädern, dann beim Fahrwerk der Loren, am Ende die ganze Lore.

Grubenpferde hatten, genau wie die Bergleute jener Zeit kein einfaches und schon gar kein schönes Leben. Grubenpferde wurden entweder schon als Fohlen unter Tage gebracht, oder sogar dort geboren. Wenn überhaupt, kamen sie erst zum Ende ihres Lebens an das Tageslicht, worauf die meisten erblindeten. Über Tage war gängige Praxis, auch im frühen Ruhrgebiet, die meist höher gelegenen Zechen mit den Kanalhäfen über eine Schienenbahn zu verbinden. Dabei rollten die Loren einfach per Schwerkraft zu Tal, mit einem Bremser besetzt, der meist über eine einfache Stange, welche an der Lore angebracht war, und an die Räder drückte, die Fahrt abbremsten. Bergauf zogen dann wieder Pferde die leeren Loren.

Dann kam, wieder in Großbritannien ein Mann auf die Idee, den Zug von einer Dampfmaschine ziehen zu lassen: Richard Trevithick. Er baute mit der "Pennydarren" für die gleichnamige Grube die erste brauchbare Dampflokomotive. Einiges Problem: die Schienen, damals noch gegossen, und als simple "L"-Profile, brachen oft unter der schweren Last der Maschine. Auch war der Verbrauch noch recht hoch, und die Reichweite durch die begrenzten Vorräte begrenzt. Dadurch war auch der Erfolg noch recht bescheiden, auch wenn jetzt viele der Loren von nur einer Lokomotive bewegt wurden. Die Geschwindigkeit spielte zu Anfang auch noch keine allzu große Rolle.

Zunächst vertraute man auch der Reibung zwischen Rad und Schiene nicht sehr. Daher kam es teilweise zu skurrilen Entwicklungen. John Blenkinsop löste das Problem zum Beispiel mit einem Zahnrad an der Lokomotive, welche in Nocken an der Seite der Schiene eingiffen, also die erste Zahnradbahn der Welt. Andere versuchten noch ungewöhnlichere Dinge, wie einen Antrieb mit Stangen, der die Lokomotive wie mit Skistöcken abstieß.

Dann trat ein Ingenieur auf die Bühne, welcher die Eisenbahn auf den Weg des Erfolgs bringen sollte: George Stephenson. Zunächst wurde ihm die erste brauchbare Lokomotive zugesprochen, aber Trevithicks Pennydarren war nur an der Schwäche der Schienen gescheitert. Stephenson baute aber nicht nur Lokomotiven, sondern plante auch bereits Strecken, die auch dem Personenverkehr dienen sollten. Als es an die Verbindung zwischen Liverpool und Manchester ging, drängte George Stephenson auf einen Wettbewerb um die geeignete Lokomotive zu finden. Zunächst wollte man ganz auf den Einsatz von Lokomotiven verzichten, da man noch nicht darauf vertraute, dass Lokomotiven geeignet seien, größere Steigungen zu überwinden.

Also veranstalte man das berühmte Lokomotivrennen von Rainhill, wo man eine Handvoll Lokomotiven gegeneinander fahren ließ, um ihre Eignung zu prüfen. Dabei wurde die Lokomotive von Stephensons Sohn Robert zum Sieger gekürt. Sie legte die Grundprinzipen für fast alle folgenden Lokomotiven fest: den Röhrenkessel, den Schlot mit Abdampf-Saugzuganlage und anderes. 

Damit hat der Personenverkehr auf der Schiene seinen Siegeszug begonnen, welcher heute mit dem internationalen Schnellverkehr seinen Höhepunkt erreicht. 

Wird fortgesetzt...